20. Jahrestagung der DGPSF

Schmerz und Trauma

4. - 5. Mai 2018 in Ludwigshafen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir laden Sie herzlich zur Jahrestagung der DGPSF nach Ludwigshafen ein, die im Jahr 2018 unter dem Thema Schmerz und Trauma durchgeführt wird.

Ein Teil der Schmerzpatienten nennt als Ausgangspunkt für die Schmerzentwicklung ein körperliches Trauma. Psychische Traumaerfahrung kann zu einer erhöhten Schmerzsensibilisierung und der Entwicklung einer Schmerzstörung führen. Körperliche Beschwerden sind in verschiedenen kulturellen Kontexten sogar Abbild seelischen Leidens. Auf der Jahrestagung 2018 wollen wir diese Verbindung von Schmerz und Trauma aus verschiedenen Perspektiven – sowohl schmerzpsychologisch und traumatherapeutisch als auch medizinisch – zusammenführen und in Austausch treten.  Daraus resultieren soll eine adaptierte Diagnostik mit erweiterten Krankheitsmodellen bis hin zur Umsetzung evidenzbasierter traumatherapeutischer Interventionen auf den Bereich der psychologischen Schmerztherapie.Wir laden ein zum intensiven Austausch der Teilnehmer mit Experten der psychologischen Schmerztherapie, der Psychotraumatologie und der Unfalltraumatologie in der BG Klinik Ludwigshafen. Am Ende des ersten Tagungstages bietet unser Gesellschaftsabend in einem schön gelegenen Lokal Gelegenheit zu weiteren fachlichen und persönlichen Gesprächen, Genuss und Tanz.

Wir freuen uns auf eine interessante und lebendige Tagung.

Programmflyer

Freitag, 4. Mai 2018

ZeitProgrammpunkt

10:30

Workshops

  1. Das Psychotherapeutenverfahren der DGUV
    Thorsten Schwarz, Mainz
  2. Internetbasierte Therapie psychischer Störungen
    Kathrin Bernardy, Bochum
  3. Hypnosystemische Schmerztherapie
    Hanne Seemann, Heidelberg
  4. CBASP für Patienten mit chronischen Schmerzen
    Iris Liwowsky, Tutzing
  5. Forschung-Praktiker-Seminar Psychotherapieforschung
    Martin grosse Holtforth, Bern

12:00 

Anmeldung und Get together

13:00

Begrüßung 

Henry Kohler, Chefarzt des Rehazentrums und der Abteilung für Rehabilitation und Heilverfahrenssteuerung an der BG Klinik Ludwigshafen
Michael Hüppe, Präsident der DGPSF
Monika Weiß, Tagungspräsidentin

13:30 

Trauma und Schmerz – Perspektiven
Moderation: Michael Hüppe, Lübeck

Trauma und Schmerz – die unfallchirurgische Perspektive
Andreas Wentzensen, Ludwigshafen

Krankheitsbewältigung nach körperlichen Verletzungen
Utz Ullmann, Halle

14:30

Pause mit Posterbegehung

15:00

Spezielle Aspekte nach Unfalltrauma
Moderation: Bernhard Klasen, München

Das Psychotherapeutenverfahren der DGUV
Claudia Drechsel-Schlund, Würzburg

Schuldfrage und Schuldattributionen bei Unfallpatienten 
Jule Frettlöh, Bochum

Psychologische Begutachtung bei Unfalltrauma
Harald Dreßing, Mannheim

16:30

Pause mit Posterbegehung / Posterkommission

17:00

Mitgliederversammlung

19:30

Gesellschaftsabend

Samstag, 5. Mai 2018

ZeitProgrammpunkt

8:30

Kontaktmöglichkeit mit den Arbeitskreisen der DGPSF

09:00

Festvortrag

Resilienz in der Bewältigung von Trauma und Schmerz
Michèle Wessa, Deutsches Resilienz Zentrum, Mainz

Moderation: Monika Weiß, Ludwigshafen

09:45

Vorstellung der ausgewählten Poster und Posterpreisverleihung
Moderation:Christiane Hermann, Gießen

10:30

Pause mit Posterbegehung

11:00

Interpersonelle und systemische Therapie bei Schmerzpatienten
Moderation: Ulrike Kaiser, Dresden

Interpersonales Verhalten und Schmerz
Martin grosse Holtforth, Bern

Grundlagen der hypnosystemischen Schmerztherapie
Hanne Seemann, Heidelberg

CBASP bei anhaltenden Schmerzen
Iris Liwowsky, Tutzing

12:30

Pause mit Mittagsimbiss

13:15

Therapeutische Strategien
Moderation: Anke Diezemann, Mainz

Narrative Bewältigung von Schmerz und Verlust
Ann-Kathrin Pütz, Konstanz

EMDR bei Schmerz
Manon Wicking, Bochum
Kathrin Bernardy, Bochum


PTBS und Schmerz in der Therapie mit
Flüchtlingen
Alexandra Liedl, München

14:45

Zusammenfassung und Verabschiedung
Michael Hüppe, Lübeck
Monika Weiß, Ludwigshafen

15:00

Möglichkeit der Klinikrundführung für Interessenten

Workshops im Rahmen der Jahrestagung

Im Vorfeld der Jahrestagung werden Workshops angeboten. Diese sind zusätzlich buchbar. Die Kapazität der einzelnen Workshops ist begrenzt.
Im Folgenden werden die Inhalte der Workshops kurz beschrieben.

WS 1 -  Thorsten Schwarz, Mainz
Das Psychotherapeutenverfahren der DGUV

Die Prävention und Rehabilitation von psychischen Gesundheitsstörungen nach schweren Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ist eine wichtige Aufgabe der Gesetzlichen Unfallversicherung.
Das zum 01.07.2012 in Kraft getretene Psychotherapeutenverfahren dient der frühzeitigen psychologisch-therapeutischen Intervention. Damit soll der Entstehung und Chronifizierung von psychischen Gesundheitsstörungen entgegengewirkt werden. Geregelt sind u.a. Zulassungsanforderungen und Handlungsabläufe, die auf die besonderen Rahmenbedingungen der Unfallversicherung nach dem Sozialgesetzbuch VII zugeschnitten sind.
Neben einer adäquaten störungsspezifischen Heilbehandlung steht gemäß dem gesetzlichen Auftrag der Unfallversicherung von Anfang an das Ziel der schnellen beruflichen Wiedereingliederung im Fokus des Reha-Managements der Unfallversicherungsträger. Dafür ist eine gute Zusammenarbeit aller Akteure (Versicherte, Therapeuten, Durchgangsärzte (D-Arzt), Arbeitgeber, Betriebsärzte, Unfallversicherungsträger) erforderlich.
Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, die über spezielle fachliche Befähigungen verfügen und zur Übernahme bestimmter Pflichten bereit sind, können am Psychotherapeutenverfahren beteiligt werden. Die Therapie wird vom Unfallversicherungsträger oder dem behandelnden D-Arzt eingeleitet.
Im Workshop werden alle wesentlichen Voraussetzungen für eine Beteiligung am Psychotherapeutenverfahren der DGUV, sowie Eckpunkte der Behandlung und der Berichterstattung im Rahmen des Verfahrens vorgestellt.

WS 2 -  Kathrin Bernardy, Bochum 
Internetbasierte Therapie psychischer Störungen 

Neue Medien wie das Internet nehmen in der Gesundheitskommunikation einen immer größeren Stellenwert ein. Eine aktuelle Studie zeigt, dass über die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland das Internet speziell zur Suche nach Gesundheitsthemen nutzt. Die Entwicklung des Internets bietet auch für die psychosoziale Versorgung im Allgemeinen und für die Psychotherapie im Speziellen neue Möglichkeiten, dementsprechend hat der Einsatz von internetbasierten Interventionen in den letzten Jahren rapide zugenommen. Ein Hintergrund mag hier die aktuelle Versorgungssituation für Patienten mit psychischen Störungen sein: In Deutschland warten Betroffene durchschnittlich 7.2 Wochen auf ein Erstgespräch und 15 Wochen auf einen ambulanten Psychotherapieplatz.Internetbasierte Interventionen werden zurzeit als große Chance für die Verbesserung der psychischen Gesundheitsversorgung diskutiert. 
Diese könnten eine Reihe von Möglichkeiten für Betroffene bereitstellen, welche von den traditionellen Angeboten bisher nicht erreicht wurden. Entscheidende Voraussetzung der Integration von Online-Angeboten in den Versorgungsalltag ist, dass eine breite Evidenz für ihre Wirksamkeit vorliegt.Wirksamkeits-Studien wurden bisher vor allem zu internetbasierten Interventionen auf kognitiv-behavioraler Basis durchgeführt. 
Die Datenlage zeigt, dass diese Interventionen über verschiedene Störungsgruppen ebenso wirksam sein können wie Face-to-Face Therapien.In diesem Workshop soll zuerst die aktuelle Datenlage zur Wirksamkeit von internetbasierten psychologischen Interventionen bei chronischen Schmerzpatienten dargestellt werden. Auch sollen die Voraussetzungen und Gefahren solcher Anwendungen diskutiert werden. Im Anschluss wird online ein psychotherapeutisches Programm für Schmerz-Patienten vorgestellt.

WS 3 -  Hanne Seemann, Heidelberg 
Hypnosystemische Schmerztherapie 

Hypnose als Adjunkt zur Schmerztherapie ist seit langem anerkannt. Die Hypnosystemische Therapie ist jedoch ein paradigmatisch eigenständiger Ansatz. Sie basiert auf der Theorie lebender Systeme, die davon ausgeht, dass jedes Lebewesen – auch ein Mensch – ein komplexes, selbstregulatives (autopoietisches) und in ständiger dynamischer Entwicklung befindliches Funktionssystem ist. Alle, auch die für Schmerzen relevanten, Funktionssysteme sind intelligent, kennen ihren individuell bekömmlichen Zustand und melden Abweichungen, die sie intern nicht kompensieren können, in Form von Symptomen – die stören müssen, um gehört und beantwortet zu werden. Diagnostik und Therapie beziehen sich darauf, unter welchen Bedingungen ein individueller Mensch – ein Schmerzpatient – in der Lage ist, war und sein wird, ungestört, also einigermaßen gesund zu funktionieren.In der Therapie wird ein Kommunikations-Konzept verwendet, das von einer Beziehungs-Störung zwischen den unwillkürlichen Es-Funktionen des Patienten (sensu Groddeck) und seinen willkürlichen und normengesteuerten Ich-Funktionen ausgeht.Es ist leicht, diese Grundannahmen dem individuellen Patienten zu vermitteln und ihn zu motivieren, mit seinem „Körper“ in Dialog zu treten, sein Anliegen zu akzeptieren und in Freundschaft mit ihm zusammen zu leben – dann hat der Schmerz seine Funktion erfüllt und kann sich zurückziehen.

Literatur:H. Seemann, Mein Körper und ich – Freund oder Feind? (mit CD) Klett-Cotta, Stuttgart
H. Seemann, Schmerzen – Notrufe aus dem Körper. Hypnosystemische Therapie psychosomatischer Schmerzen. Klett-Cotta, Stuttgart (im Druck)

WS 4 - Iris Liwowsky, Tutzing
CBASP für Patienten mit chronischen Schmerzen

Ein beträchtlicher Teil chronischer Schmerzpatienten weist frühe Traumatisierungen auf. Diese frühen Missbrauchserlebnisse werden als Risikofaktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung von chronischen Schmerzen diskutiert. Die Komorbidität von chronischem Schmerz mit Depression und auch chronischer Depression ist hoch. 90% der hospitalisierten sowie 40% der ambulanten depressiven Patienten berichten von Schmerzen, die das tägliche Leben beeinträchtigen. Dabei zeigen langjährig chronifizierte Schmerzpatienten oft eine veränderte Interaktionsgestaltung. Ähnlich wie chronisch depressive Patienten sind sie sich der Effekte des eigenen Verhaltens auf das Gegenüber oft nicht bewusst, sind von ihrer Umwelt entkoppelt und erleben sich als interpersonell unwirksam. Die Unfähigkeit interpersonelle Probleme zu lösen und zielführend zu handeln, führt zu starker psychischer Belastung und infolge zu körperlicher Spannung. Körperliche Spannung, Bewegungsarmut und dysphorische Stimmung gelten als sogenannte Yellow Flags der Chronifizierung von Schmerzen. Die Wechselwirkungen von Schmerz und Depression sind vielfältig und in zahlreichen Studien belegt. 
Es liegt deshalb Nahe CBASP  als ein Behandlungsverfahren welches auf die Vermittlung interpersoneller Steuerungskompetenz, sowie auf die Linderung früher traumatischer Beziehungserfahrungen abzielt, in modifizierter und erweiterter Form auch
auch für die Behandlung chronischer Schmerzpatienten eizusetzten. 
Im Workshop werden alle wesentlichen CBASP Elemente vorgestellt. Ergänzend werden zentrale Interventionen der psychologischen Schmerztherapie beschrieben und ein Konzept für die integrative, multimodale  Therapie von Patienten mit chronischem Schmerz und chronischer Depression präsentiert.

WS 5 - Martin grosse Holtforth, Bern
Forschung-Praktiker-Seminar Psychotherapieforschung

SchmerzpatientInnen* werden gemeinhin schnell als „schwierige Patienten“ abgetan. Dies geschieht häufig unter Hinweis auf deren vermeintlich problematisches interpersonales Verhalten. Im Sinne eines Scientific-Practitioner-Ansatzes ist das Hauptanliegen des Workshops der Erfahrungsaustausch zwischen klinisch Tätigen und Forschenden. Berichtet werden Forschungsergebnisse zu interpersonalen Problemen von Schmerzpatienten aus dem Kompetenzzentrum Psychosomatik in Bern sowie empirische Forschung zu zwischenmenschlichen Problemen allgemein und bei psychisch belasteten Menschen. Diese sollen dann mit den eigenen klinischen Erfahrungen im Erleben und Umgang mit Schmerzpatienten in Verbindung gebracht werden.

Fragen, die hierbei erörtert werden können, sind z.B.:

  • Was sind besondere interpersonelle Probleme, die KlinikerInnen bei chronischen SchmerzpatientInnen begegnen?
  • Welche zwischenmenschlichen Verhaltensweisen der PatientInnen bereiten KlinikerInnen ggf. Probleme (in Beziehung, in Therapie, …)?
  • Falls interpersonelle Besonderheiten die Therapie erschweren wie genau?
  • Wie sehen Schmerzpatienten selbst ihr zwischenmenschlichen Verhalten und welche Probleme mit anderen Menschen im privaten und klinischen Umfeld nehmen sie selbst wahr?

Es ist unsere Hoffnung, dass  alle Teilnehmenden Anregungen mitnehmen, wie sie fortlaufend ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Schmerzpatienten anpassen können, und zu welche Fragen aus der Praxis empirische Forschung weitere Antworten liefern könnte.